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MINISTERIUM FÜR ERNÄHRUNG UND LÄNDLICHEN RAUM
BADEN-WÜRTTEMBERG

Düngeverordnung 
- Das Wichtigste für Wein- und Obstbaubetriebe -

Quelle:
Verordnung über die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsstoffen nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis beim Düngen (Düngeverordnung - DüV vom 10. Januar 2006 geändert am 27.9.2006)
Rechtsgrundlage: §1a, §5 und §11 des Düngemittelgesetzes vom 15.11.1977, zuletzt geändert am 21.10.2005

§ 1 Geltungsbereich

Die Düngeverordnung regelt die gute fachliche Praxis bei der Düngung von landwirtschaftlich genutzten Flächen (Acker-, Grünland, Wein-, Obst-, Hopfen- und Gartenbau, Baumschulen, Stilllegung). Ziel ist die Verminderung von Umweltbelastungen und stofflichen Risiken. 

 § 3 Grundsätze
  •  Vor dem Aufbringen wesentlicher Nährstoffmengen (mehr als 50 kg N oder 30 kg P2O5 je Hektar und Jahr) ist der Düngebedarf festzustellen

 für Stickstoff für jede Bewirtschaftungseinheit für den Zeitpunkt der Düngung oder mindestens jährlich durch:

  • Bodenuntersuchung oder
  • Übernahme von amtlichen Empfehlungen oder
  • Übernahme der Ergebnisse von vergleichbaren Standorten oder
  • Anwendung anerkannter Schätzmethoden

 für Phosphat bei jedem Schlag (= zusammenhängende, einheitlich bewirtschaftete Fläche) ab 1 ha durch Bodenuntersuchungen (mindestens alle 6 Jahre).

  • Zu berücksichtigen sind alle Standorteigenschaften, die sich auf die zu erwartende Nährstofflieferung auswirken (Bodenart, Bodentyp, Kalkgehalt, Klima) ebenso wie Bewirtschaftungsmaßnahmen (Bearbeitung, Bewässerung) und die Eigenheiten der Kultur.
  • Der Zeitpunkt der Ausbringung sowie die Ausbringmenge ist am zeitlichen Bedarf der Pflanzen und am Bodenzustand zu orientieren. Wenn der Boden wassergesättigt, durchgängig gefroren ist und im Verlauf des Tages nicht oberflächig auftaut oder höher als 5 cm mit Schnee bedeckt ist, dürfen keine Düngemittel, Bodenhilfsstoffe o.ä. mit wesentlichen Nährstoffgehalten an Stickstoff oder Phosphat (mehr als 1,5 % Gesamt-N oder 0,5 % Phosphat in der Trockenmasse) aufgebracht werden. Kalkdünger (nach Düngemittelverordnung Anlage1 Abschnitt 1) mit einem Phosphatgehalt unter 2 % dürfen auch auf gefrorenen Boden aufgebracht werden.
  • Das Aufbringen muss so erfolgen, dass keine Abschwemmung in Oberflächengewässer erfolgt. Ein direkter Eintrag ist durch Einhaltung eines Abstandes von mindestens 3 m zur Böschungsoberkante des Gewässers zu vermeiden.
  •  Die Ausbringgeräte müssen den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen.
§ 4 Zusätzliche Vorgaben für bestimmte Düngemittel, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate und Pflanzenhilfsstoffe

Vor dem Aufbringen derartiger Stoffe mit jeweils überwiegend organischen Bestandteilen einschließlich Wirtschaftsdünger muss deren Gehalt an Gesamtstickstoff und Phosphat bekannt sein. Aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft dürfen unbeschadet der anderen Vorgaben im Betriebsdurchschnitt maximal 170 kg N/ha/Jahr ausgebracht werden.

§ 5 Nährstoffvergleich

 für Stickstoff und Phosphat sind jährlich bis spätestens 31. März des Folgejahres zu erstellen als

  • Flächenbilanz (Betriebsbilanz) oder
  • zusammengefasste Schlagbilanz (auf der Basis der einzelnen Schläge)
    und in einem jährlich fortzuschreibenden Nährstoffvergleich zusammenzufassen.

 Nährstoffvergleiche sind nicht erforderlich für:

  • Baumschul-, Rebschul- und Baumobstflächen, nicht im Ertrag stehende Dauerkulturen des Wein- und Obstbaus sowie für den Anbau von Zierpflanzen,
  • Flächen mit ausschließlicher Weidehaltung bis 100 kg N/ha Stickstoffausscheidung und ohne zusätzliche N-Düngung,
  • Betriebe, die nach Abzug der oben aufgeführten Flächen weniger als 10 ha bewirtschaften, höchstens 1 ha Gemüse, Erdbeeren oder Hopfen anbauen und in denen jährlich höchstens 500 kg N aus „tierischem Wirtschaftsdünger“ anfällt,
  • Betriebe, die auf keinem Schlag mehr als 50 kg Gesamt-Stickstoff/ha oder 30 kg Phosphat (P2O5)/ha und Jahr aufbringen (einschließlich organischer Düngung).
§ 6 Bewertung des Nährstoffvergleiches

Auf Anforderung muss der Nährstoffvergleich der zuständigen Stelle vorgelegt werden.
Wird dabei der betriebliche Stickstoffüberschuss im Mittel der drei letzten Düngejahre

  • in den 2006, 2007 und 2008 begonnenen Düngejahren  90 kg N/ha
  • in den 2007, 2008 und 2009 begonnenen Düngejahren  80 kg N/ha
  • in den 2008, 2009 und 2010 begonnenen Düngejahren  70 kg N/ha
  • in den 2009, 2010 und 2011 begonnenen Düngejahren  60 kg N/ha

nicht überschritten, gelten die entsprechenden Vorgaben als eingehalten.
Für den betrieblichen Phosphatüberschuss im Mittel der sechs letzten Düngejahre gilt dies bei Werten bis 20 kg P2O5/ha oder höchstens 20 mg P2O5 /100 g Boden (P-Analyse im CAL-Extrakt) oder höchstens 3,6 mg P/100 g Boden nach der EUF-Methode ("Betriebsschnitt“ = durchschnittlicher Phosphatgehalt als gewogenes Mittel, d.h. unter Berücksichtigung der Schlaggrößen) .

§ 7 Aufzeichnungen

Notwendige Aufzeichnungen (N-Bedarfsermittlung nach § 3, P-Bodenuntersuchung für Schläge ab 1 ha, wenn mehr als 30 kg Phosphat je ha und Jahr aufgebracht werden, Nährstoffwerte von Wirtschaftsdünger, Kompost u.ä., Nährstoffvergleiche) sind 7 Jahre (Aufzeichnungen nach der alten Düngeverordnung 9 Jahre) aufzubewahren.

§ 8 Anwendungsbeschränkungen

Düngemittel außer Wirtschaftsdünger dürfen nur angewendet werden, wenn sie einem durch die Düngemittelverordnung zugelassenen Typ entsprechen oder durch EU-Recht zugelassen sind. Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate und Pflanzenhilfsmittel müssen den Vorgaben der Düngemittelverordnung entsprechen. Die Anwendung von Produkten auf der Basis von Kieselgur ist auf Flächen des bodennahen Obstanbaus (z.B. Erdbeeren), auf Grünland, im Gemüseanbau etc. verboten. Die Anwendung von trockenen Kieselgur-Produkten ist grundsätzlich verboten, andere können auf Rebflächen ausgebracht werden, sind aber sofort einzuarbeiten.

Zuständigkeiten in Baden-Württemberg

Zuständig für Düngungsfragen und Bodenuntersuchungen sind die Landratsämter -untere Landwirtschaftsbehörde-, in deren Dienstbezirk die Fläche liegt. Für den Nährstoffvergleich richtet sich die Zuständigkeit nach dem Sitz des Betriebes.

 

 

 

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